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Mit Roche für ein Jahr nach Shanghai

Interview mit Ulrike von Faber

Ich bin dann mal weg… Ulrike von Faber, HR Marketing Managerin Grenzach, berichtet von ihrer Auszeit in China.

„Waaas? Wir sollen für ein Jahr nach Shanghai gehen? Gerade jetzt?“, dachte ich mir, da ich erst vor 6 Monaten meinen Job gewechselt und als HR Marketing Manager von der Roche Diagnostics zur Roche Pharma AG nach Grenzach gewechselt bin. Und für ein Jahr unsere fünfzehnjährige Tochter Rebecca aus dem Umfeld reißen? Nein, wir überlegten uns, dass die zwölf Monate schnell vergehen. Mit Heimflügen meines Mannes und Urlaub in China würden wir das auch so schaffen. Aber dann kam es doch ganz anders: Mein Mann erhielt schon nach 6 Monaten das Angebot zur Verlängerung des Einsatzes. Für uns stand jedoch fest: Eine Verlängerung geht nur, wenn wir als Familie wieder zusammenleben. Das bedeutete für meine Tochter und mich: Ab nach Shanghai!

Erwartungen an das Jahr Auszeit: Ich probiere alles aus!
Ich habe lange überlegt, ob ich in den neun Monaten meines China-Aufenthaltes auch arbeiten soll, oder eben nicht. Möglich wäre es gewesen, aber dann habe ich entschieden, dass ich mal etwas für mich tun möchte. Nach 25 Berufsjahren bei Roche, in unterschiedlichen HR Funktionen, tut eine Verringerung der Arbeitszeit auf ein Minimum auch mal gut. Ein Vertrag in Shanghai hätte einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch genommen, denn nicht nur die Aufgaben hätten sich verändert, auch das Arbeiten in einer anderen Struktur hätte zuerst viel Zeit gebunden. Daher war ich 8 Stunden pro Woche für Roche aus dem „China-Home-Office“ tätig und stand als Ansprechpartnerin für meine Vertretung zur Verfügung. Im November 2014 ging es los. Ich hatte mir folgendes vorgenommen: Chillen, Reisen, Chinesisch lernen, für die Familie da sein – und natürlich Shanghai erleben. Mein Credo: “Sei allem gegenüber offen und probiere alles aus.“

Das Abenteuer beginnt
Mein Einstieg in Shanghai war speziell – denn mein Mann war zu dieser Zeit in Europa. Meine Tochter und ich hatten den Termin so gewählt, damit sie gleich eine 1-wöchige China Rundreise mit ihrer neuen Klasse machen konnte. Aber ich saß erst einmal da. In einem 3-Zimmer-Appartement im 11. Stock mit Blick auf den Century Park, unseren Koffern und einem Buick mit Fahrer. In unserem Appartement-Hotel sprachen alle Englisch. Aber sonst? Selbst beim Taxifahren ist die Adresse in chinesischen Schriftzeichen ein Muss.

Und dann dieser Verkehr! Und die Lautstärke – und diese Luft von Zeit zu Zeit. Außerdem haben die Chinesen ein paar Eigenarten, an die ich mich nie gewöhnen konnte: Das Spucken auf der Straße, das ständige Vordrängeln und die Lautstärke. Hört man Chinesen miteinander reden, meint man sie würden streiten. Wichtig war es für mich, so schnell wie möglich, mit anderen in Kontakt zu kommen. Dazu habe ich mich gleich für das Event-Team aus dem Elternbeirat der Deutschen Schule gemeldet und bin Mitglied im Deutschen Club Shanghai geworden. Innerhalb kurzer Zeit entstand ein gutes Netzwerk zu anderen Frauen in gleichen Situationen und deren Familien. Das war nicht nur wichtig für gemeinsame Unternehmungen, sondern auch zum Austauschen ganz banaler Themen, wie „kann jemand einen Friseur empfehlen“ oder „wo kaufe ich am besten Lebensmittel ein“. Die größte Herausforderung für uns als Familie war der „beengte“ Wohnraum. Wir hatten ein sehr schönes Appartement mit tollem Blick, einer voll ausgestatteten Küche, zwei Bädern – Reinigung inklusive. Trotzdem fehlten uns die  gewohnten Rückzugsmöglichkeiten und Balkon oder Garten. Damit kein falsches Bild entsteht: Roche ist sehr großzügig, was die „Versorgung“ von Expats und deren Familien angeht.

Home-Office in Shanghai für Deutschland
Meine Arbeitszeit konnte ich flexibel einteilen. Zu Beginn des Aufenthaltes habe ich mehr als 8 Stunden gearbeitet, weil noch Fragen auftauchten – das eigentlich vereinbarte Aufgabenpaket ließ sich gut in dieser Zeit bewältigen. Zum Ende hin arbeitete ich weniger als die vereinbarten Stunden, also hat sich das Pensum letztendlich ausgeglichen. Während unserer Reisen, habe ich immer nur im Notfall auf eine E-Mail geantwortet. Ich betrachtete das „Arrangement“ insgesamt als ein „Geben und Nehmen“.

Schule in Shanghai – Lernschock oder easy going?
Rebecca war für uns die größte Überraschung, im positiven Sinne. Zum Zeitpunkt der Entscheidung meinem Mann nach Shanghai zu folgen, war sie wütend und traurig und wollte nicht von ihren Freunden in Deutschland getrennt sein. Aber als sie von der Klassenreise in der ersten Schulwoche zurückkam, war sie Feuer und Flamme. Die Klassen in der Deutschen Schule waren klein: insgesamt nur 15 Schüler. Die Lehrer sind sehr engagiert und bemüht, die Schüler individuell zu unterstützen. Zusätzlich gibt es noch Förderkurse an denen man teilnehmen kann. Aber es wurde auch viel verlangt und die Menge der Hausaufgaben – immerhin endete die Schule erst um 15:30 Uhr -  kosteten auch Stunden am Wochenende. Rebecca wurde jeden Morgen um 07:00 Uhr mit dem Bus direkt von unserem Appartement abgeholt und nachmittags zurück gebracht. Der Lehrplan orientierte sich an dem aus Thüringen, wodurch unsere Tochter schon manche Inhalte kannte, in Mathe war die Klasse aber schon weiter. Da Rebecca in Deutschland als Schulfach Italienisch hat, mussten wir selbst dafür sorgen, dass sie nicht den Anschluss verliert und haben eine Privatlehrerin engagiert – eine waschechte Römerin; Rebeccas Aussprache ist nun wahre Musik in meinen Ohren.

Top und Flop
Es gab viele Highlights für mich während der 9 Monate in Asien. In Shanghai waren das:
•  Einen Cappucino auf einer Barterasse am Bund bei blitzeblauen Himmel mit meiner Freundin trinken und in einem chinesischen Kaufhaus Souvenirs und Seidentücher bis zum Abwinken mit meiner ebenfalls neu gewonnenen, temperamentvollen Freundin kaufen – natürlich nach Preisverhandlungen, für die wir uns eigentlich schämen sollten
•  Bei schönem Wetter in einem chinesischen Park den Rentnern beim Spielen oder der Gymnastik zuschauen und nebenbei ein Buch lesen
•  Die Painter Street besuchen und immer wieder Bilder entdecken und erstehen – unser Appartement verwandelte sich im Laufe der Zeit in eine Galerie
•  Die Shanghai walks, mit einer tollen Stadtführerin, die uns die Stadt Shanghai, die chinesische Geschichte und Kunst nahe brachte.

Außerdem bin ich mit meiner Familie, aber auch mit Rebecca alleine, viel gereist: Thailand, Singapur, Vietnam, Bali und Peking wurden bestaunt und genossen. Damit es nicht zu lang wird noch zwei Anmerkungen dazu: Bali hat mich mit seiner Natur und den Menschen fasziniert und das Gefühl auf der Chinesischen Mauer zu stehen war erhebend.

Beim Thema „Chinesisch lernen“ musste ich leider feststellen, dass es unrealistisch ist, in der kurzen Zeit die Sprache so zu lernen, dass eine Unterhaltung möglich ist. Meine Kenntnisse beschränken sich auf ein paar Standartsätze und Vokabeln aus dem Alltag. Das Lernen ist mir schwer gefallen und hat mir auch so manchen Frust beschert. Aber einen Satz werde ich sicher nie vergessen „Duo shao qian“ (Was kostet es?) und dann schnell den Taschenrechner auf dem Smartphone in Gang bringen….

Am meisten vermisse ich meine Freundinnen aus Shanghai, denn nicht nur Rebecca litt unter Abschiedsschmerz. Und das chinesische Essen! Vor allem den „explodierten Fisch“.

Und noch etwas zu Landschaft, Kultur und Lebenswandel
Shanghai ist für mich die Stadt der Gegensätze. Kommt man vom Flughafen, säumen hässlich Betonklötze und Baustellen die Straße – wenn dann die Luft noch schlecht ist – geht es fast nicht mehr schlimmer. Auf der anderen Seite finden sich unzählige Parks in Shanghai. Und in nur ein bis zwei Stunden ist man in Wasserstädten, die malerisch sind und tatsächlich etwas an Venedig erinnern. Oder der Jin An Tempel in der Innenstadt, gesäumt von modernen Wolkenkratzern.

Das französische Viertel mit Alleen und Villen neben chinesischen Wohnvierteln (lilongs), die kurz vor dem Abriss stehen. Glitzernde Bankenviertel auf der einen, der Heiratsmarkt am Wochenende auf der anderen Seite des Huangpu Flusses. Hochpreisige Marken-Boutiquen in der Haupt-, Tier- und Pflanzenbasare in der Nebenstraße.

Back to Germany: Ich bin gelassener geworden
Mitte Juli sind wir zurückgekehrt in die deutsche Heimat. Und bei allem Trennungsschmerz – es gab zu Hause viel zu genießen: viel mehr Platz, einen Garten, badische Küche, köstlichen Wein und vor allem gute Luft. Ich erinnere mich noch sehr genau an meine erste Autofahrt (oh ja – selbst Auto zu fahren, war auch ein Event) durch die Weinberge bei offenem Verdeck und lauter Musik in meinem kleinen Jeep. Herrlich! Die Stunden, welche ich in Shanghai gearbeitet habe, konnte ich nun bis zum Ende der Schulferien Mitte September abfeiern. Und diese Vereinbarung war für mich der krönende Abschluss. So konnten wir ganz in Ruhe wieder zu Hause ankommen.

Zurück in Grenzach hatte ich keine Probleme loszulegen. Zwar hatte sich das Team durch interne Weiterentwicklungen und Babypause komplett verändert, aber die neuen/alten Kollegen haben mich herzlich wieder aufgenommen. Ich weiß noch, dass meine Chefin am Ende des ersten Arbeitstages zu mir sagte: „Du bist schon wieder voll drin, gell?“ Ja – das war und bin ich. Aber verglichen mit anderen Auszeiten, wie bei einem Urlaub, wirken die Sabbatical Monate deutlich länger nach. Ich bin gelassener geworden und würde es wieder tun. Südamerika oder Skandinavien wären nett…

Kontakt
Roche Pharma AG
Emil-Barell-Str. 1
79639 Grenzach-Wyhlen

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