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Eisklettern in Utzenfeld

Senkrecht zum Eis: Verena Wehrle wagt sich an die Eiswand bei Utzenfeld.

Die Aufregung steigt. Und mit dem Blick auf den steilen Eisfelsen wird mir immer mulmiger im Bauch. Soll ich das wirklich tun? Soll ich wirklich da hoch? Die erste Herausforderung wartet schon – ich muss die Steigeisen unter meine Skischuhe klemmen. Zum Glück hilft mir Herbert Steiger von den Kletterfreunden Todtnau dabei. Mit ihm habe ich mich hier verabredet und er nimmt mich mit auf den Eisfelsen bei der Höll in Utzenfeld. Es ist der einzige Eiskletterfelsen im Schwarzwald. Der Felsen wird seit dem Jahr 2000 jeden Winter von den Kletterfreunden mit vier Schläuchen bewässert. Das Wasser kommt aus einer über dem Felsen liegenden Quelle. An der Felsspitze ist ein Stahlseil zur Sicherung angebracht. In den letzten Tagen wurde hier viel geklettert, auch bei Flutlicht.

Weiter geht’s, ich muss lernen wie man mit diesen Steigeisen läuft. „Immer Beine breit auseinander“, erklärt mir Steiger. Denn wenn man sich ein Steigeisen in die Waden rammt, führt das zu schweren Verletzungen. Erst einmal schaue ich den Kletterern nur zu. Die elfjährige Eva und der dreizehnjährige Lukas machen es vor und es könnte nicht leichter aussehen. Los geht’s dann auch für mich. Ausgerüstet mit zwei Eispickeln, Steigeisen unter den Füßen und einem Helm auf dem Kopf wage ich mich vor zur Eiswand. Die elfjährige Eva sichert mich. Doch was mache ich zuerst? Wo soll ich mein Bein als nächstes hinstellen? Ziemlich überfordert mit der Situation, direkt vor dem Eis zu hängen, ist der erste Versuch noch sehr unsicher. Ich bin dem Felsen ausgeliefert. Für mich ist es dann doch schwieriger als es aussah. „Für Könner ist das ein Spaziergang“, sagt Steiger. „Da läuft man einfach über den Rosenkohl“. So nennt er die schönen Eishügelchen, auf die man sich wunderbar stellen kann.

Nach ein paar Metern geht’s für mich auch schon wieder runter. Später traue ich mich ein zweites Mal. Und dann klappt’s schon viel besser. Die Arme ausstrecken und dann die Pickel rein, bis sie fest sind. Doch man darf sie nicht zu fest reinhauen, sonst bekommt man sie nicht mehr heraus. Beim Rausziehen gibt es Regeln, damit die Pickel nicht kaputt gehen. Ganz schön viel, an was ich denken muss. Meine Knie zittern. Öfters, gerade dann wenn ich meine Füße nicht mehr sehe, habe ich Angst, dass ich unter mir den Halt verliere. „Du kannst nicht abstürzen, du hängst ja am Seil“, ruft ein Profi, der von unten Anweisungen gibt. Ganz schön anstrengend die Sache und es raubt mir viel Kraft. „Mach lieber kleine Schritte, sonst geht dir die Puste aus“, sagt der Kletterfreund als wäre es das Leichteste auf der Welt. Schließlich bin ich immer auf der Suche nach dem Rosenkohl, damit ich meine Füße abstellen kann und sie nicht irgendwo senkrecht ins Eis reinhauen muss. Manchmal rutsche ich ab, doch umso länger ich klettere umso besser klappt es. Denn Übung macht auch beim Eisklettern den Meister. Dann macht es mir richtig viel Spaß. Es ist eine ganz besondere und wunderbare Erfahrung. Und irgendwann komme auch ich oben an – stolz wie Oskar. Noch mehr Spaß macht mir dann das Abseilen, bei dem ich senkrecht den Berg herunter spaziere oder hüpfe. Da lege ich mich richtig ins Seil. Unten angekommen bin ich zwar froh wieder Boden unter meinen Füßen zu haben, aber noch glücklicher, dass ich mich das getraut habe.

Die Kinder klettern noch einige Stunden. Als die Sonne langsam hinter dem Hügel verschwindet wird es richtig kalt. Der Eisfelsen in Utzenfeld ist bekannt wie ein bunter Hund. An diesem Tag sind auch zwei Kletterer aus Esslingen zu Besuch, die gar nicht mehr gehen wollen und voll des Lobes sind für den Felsen. „Der ist besser als mancher Eisfelsen im Allgäu“, sagt einer von ihnen, als er sich gerade zum nächsten Aufstieg bereit macht. Jedes Jahr kommen Kletterer aus ganz Deutschland und der Schweiz hierher, um bei Touren von leicht bis schwer ihr Kletterherz zu erfreuen. Wird es kalt, kann man noch vier bis fünf Wochen hier klettern. Wird es warm, ist das Eis innerhalb einer Woche geschmolzen.

Kurzinfo
Der Eisfelsen liegt direkt 20 Meter entfernt vom Parkplatz an der B 317 gegenüber von Utzenfeld.

Ob man dort klettern kann, weiß Herbert Steiger, Telefon: 076711634.

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