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Waldkindergärten

Kleine Entdecker haben Zeit zum Kind sein Waldkindergärten laden zum Entdecken ein – Kinder spielen draußen bei jedem Wetter

Rund 20 Kinder stehen in einem Kreis am Waldrand vor ihrem Waldwagen. Das Laub raschelt unter ihren Füßen, die Vögel zwitschern um die Wette, ein leichter kalter Wind weht den ihnen um ihre kleinen Stupsnasen. Es ist halb neun und Zeit für den Morgenkreis, einer der festen Rituale im Waldkindergarten Wurzelzwerge in Todtnau. Mit Begrüßungslied und Durchzählen starten die Zwerge in den Tag. Die Sonne macht an diesem Tag Pause. Im Morgenkreis können es manche der Drei- bis Sechsjährigen kaum aushalten, wollen schon bald in den Wald, scharren mit ihren kleinen Füßen auf dem Boden. Doch sie haben hier enge Strukturen und halten sich daran, damit wird von den Kindern Aufmerksamkeit gefordert, ihnen werden Grenzen gesetzt und sie lernen diese einzuhalten.

Aber dann folgt die freie Spielzeit. Der Waldkindergarten Wurzelzwerge besucht abwechselnd mehr als zehn verschiedene Plätze im Todtnauer Wald, auf denen die Kinder lernen mit verschiedenen Anforderungen in der Natur klar zu kommen. Und dabei erleben sie stets „natürliche“ Erfolge wie beim Klettern. An diesem Morgen geht‘s zum Aussichtsplatz und jedes Kind bewegt sich in seinem ganz eigenen Tempo und auf seine ganz eigene Art dorthin. Die Kinder sind frei. Auch am Platz selbst spielt jeder das, was er will und mit wem er will. Und dabei stellt sich jedes Kind einer großen Herausforderung: Es muss seine Kreativität entfalten. Denn hier im Wald wird ihm kein konventionelles Spielzeug mit „vorgeschriebener“ Bedeutung vor die Nase gesetzt. Aus allem, was die Kinder finden, wird etwas gestaltet. Und die Wurzelzwerge sind äußerst kreativ. Die Kinder verteilen sich auf dem Platz und ohne lang zu überlegen spielen sie los. Die einen nehmen einen Stock als Mikrofon, zwei Jungs bauen eine Feuerstelle, wo sie in ihrer Fantasie Würste braten und an die anderen verteilen. Die Mädchen reiten auf einem Ast und beweisen dabei Balance, Weltraumastronauten und auch ein Einhorn sind unterwegs. „Knusper, knusper Knäuschen…“ sagt ein Junge mit tiefer Stimme zu seinen Freunden, mit denen er mitten im Geäst sitzt - Die größeren Kinder spielen ein Märchen nach. Jeder spielt eine Rolle. All das haben sie sich selbst ausgedacht. Die Erzieherinnen schauen nur zu. Langeweile hat hier keine Chance. Diese Art zu Spielen wirkt sich auch auf die Sprachentwicklung äußerst positiv aus – Die Kinder müssen miteinander reden, damit sie miteinander spielen können, sie tauschen sich häufiger über die Bedeutung von Gegenständen und über das Spielgeschehen aus. „Sie können sich nicht hinter Bauklötzen verstecken“, sagt Erzieherin Ulrike Gerspacher.

Einfach nur Kind sein

Hier in der Stille des Waldes haben die Kinder Zeit zum Kind sein. Sie sind in einem offenen Feld und können ihren Bewegungsdrang ausleben oder einfach nur auf der Erde liegen und in die Wolken schauen, einer Schnecke beim Kriechen zuschauen oder einem Schmetterling hinterherrennen – freie Zeit, in der sie einfach nur Kind sein und die Welt entdecken können.

All das geschieht natürlich mit dem nötigen respektvollen Umgang miteinander und mit der Natur. Die Kinder sind außerdem total diszipliniert. Ulrike ruft „Spielende“ und alle kommen schnurstracks herbei gerannt. Zuvor wandern noch einige schöne Steine, Nüsse oder Stöcke von den kleinen Kinderhänden in die Taschen ihrer Matschhosen. Diese Sammlungen haben in den Schatzkästchen im Waldwagen ihren ganz eigenen Platz. Dort angekommen, werden Mützen in den Korb und Handschuhe an den Ständer gehängt. Alles ist hier aus Holz. Heute wird im Wagen gegessen. Eine Ausnahme, weil es so kalt ist. Der Ofen wärmt die Kinder. Kerzen leuchten. In der Regel vespern alle unter freiem Himmel, mitten im Wald. Wir Erwachsene würden es „Picknick“ nennen, für die Kinder gehört es so.

Apropos Erwachsene – nur sie kennen schlechtes Wetter. Für die Kinder ist jedes Wetter ein Erlebnis. Deshalb spielen sie auch eingepackt wie kleine Zwiebeln immer draußen. Im Regen lieben sie es, durch die Pfützen zu springen, im Winter freuen sie sich aufs Poporutschen und an besonders heißen Tagen auf das Spielen am Bach.

Nach dem Essen und einem gemeinsamen Spiel geht’s wieder raus zum Toben. Von 7.30 Uhr bis 13 Uhr hat der Todtnauer Waldkindergarten geöffnet. So ist auch für die Karriere beider Elternteile gesorgt. Nach dem Schlusslied werden die Kinder von Mama oder Papa wieder abgeholt, springen noch ein letztes Mal mit ihren Gummistiefeln durch die Pfütze und freuen sich schon auf den nächsten Tag, an dem sie wieder forschen können mit allen Sinnen.

Info
Passend zum Jahresmotto „Berufe“ machen die Kinder viele Ausflüge. Der Waldkindergarten Wurzelzwerge Todtnau feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Die ersten zehn Jahre wurde er von der Stadt betrieben, im Mai 2010 hat sich dann der Verein Waldkindergarten Wurzelzwerge Todtnau e.V. gegründet, der den Kindergarten seitdem betreibt. Seit drei Jahren gibt es mit den Waldmäusen auch eine Gruppe für 1-3 Jährige, die zwei Mal in der Woche für zweieinhalb Stunden angeboten wird. Weitere Infos finden Sie im Internet.

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Waldkindergarten Märchenwald
Weil am Rhein Waldkindergarten Purzelbaum
Lörrach-Haagen Waldkindergarten
Schopfheim

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