Der Markt möchte keine grünen Bananen

Etwas wirklich Gutes muss reifen. Mit Feldtests stellt Endress+Hauser sicher, dass die Messgeräte den harten Anforderungen der Industrie genügen und „gereifte“ Produkte auf den Markt kommen. Wir begleiten Feldtestingenieur Dirk Schrank bei einem Außentermin.

„Achtung!“ Dirk packt mich am Arm und zieht mich zur Seite. Ein orangefarbener 100 Tonnen schwerer Kipplader, groß wie ein Haus, donnert mit brüllendem Motor an uns vorbei und hüllt uns in eine Staubwolke. Willkommen im Kalkwerk Istein. Es ist staubig, es ist laut, die Sonne brennt vom Himmel. Hier wird Kalk im Steinbruch abgebaut, gebrochen, gebrannt und in Baustoff verwandelt. Die Öfen laufen Tag und Nacht. Acht große LKW liefern täglich Kohlenstaub und halten die Glut am Brennen. Es ist keine Umgebung für Weicheier. Es ist der Platz, an dem unsere Produkte reifen – unser Reifekeller. Es ist neun Uhr. Wir treffen Mathias Schmidlin, Elektromeister, zuständig für die Wartung der Anlagen. Nach einer Sicherheitsunterweisung geht es ohne Aufzug 30 m hoch auf das Silodach. Über die Außentreppe. „Man sollte fit und am besten schwindelfrei sein für diesen Job“, erklärt Dirk nebenbei. Immer nach oben schauen, denke ich mir. „Am besten, die Messegräte liefern nach der Inbetriebnahme einen korrekten Messwert und dies über eine lange Zeit. Ohne dass man sie erneut justieren oder sonst irgendwie anpacken muss“, schnauft Herr Schmidlin. Besser ist da. Die Wege sind recht lang und mühsam in Industrieanlagen.

Oben angekommen sieht man sofort, warum diese Anlage als Testumgebung ausgesucht wurde. Unsere Geräte sind mit einer dicken Schicht Kalkstaub überzogen. Das Material ist sehr feinkörnig und kriecht in jeden noch so engen Spalt. Ein kurzer Check mit dem Laptop. Die Testgeräte funktionieren reibungslos. Es ist die neue 80 Gigahertz Radargeneration, die hier die Reifeprüfung bestehen muss. „Feldtests sind wichtig, weil Einflussfaktoren wie beispielsweise Temperatur, Druck, Erschütterungen und der Mensch auf das Gerät einwirken“, erläutert Dirk. Und das geballt auf einmal. Diese Bedingungen könne man in Tests im Labor in dieser Form nicht künstlich herstellen. Jedenfalls nicht gleichzeitig.

Gut fürs Selbstbewusstsein: „Jetzt nach dem Marktstart ist man schon ein bisschen wehmütig aber auch stolz, wenn unser Baby alle Tests erfolgreich durchlaufen hat “, sagt Dirk und streicht etwas Staub vom Gerät. Der Feldtest-Ingenieur begleitet die Geräte über den gesamten Entwicklungsprozess. Das Ziel ist, keine grünen Bananen auf den Markt zu werfen, die erst beim Kunden reifen. Es ist außerdem wichtig, ein möglichst breites Spektrum an Applikationen mit den Tests abzudecken. „Ich suche immer Messaufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden aus“, so Dirk Schrank. Die schwierigen Aufgaben seien gut geeignet als Referenz, sofern die Geräte sie zuverlässig lösen können.

„Das ist gut fürs Selbstbewusstsein“, sagt Dirk. Zum Beispiel die Messdistanz von über 90m. Sie wurde in der Schapfenmühle bei Ulm getestet, in der das zweithöchste Getreidesilo der Welt steht. Eine absolute Grenzanwendung, denn welches Silo ist schon so hoch. Deswegen sei es wichtig, auch die Standardanwendungen zu testen, die wesentlich öfter vorkommen, erklärt Dirk. Mittlerweile steigen wir wieder vom Silo hinab. Ich stelle mir dabei vor, wie es wäre, auf ein 90 m Silo zu steigen. Es geht immer noch schlimmer.

Der Kalkbrecher: Wir besuchen noch das Gebäude mit dem Kalkbrecher. Von außen hört man gar nichts. Aber als Herr Schmidlin die Türe aufmacht, dringt uns ein unbeschreiblicher, brüllender und kreischender Lärm entgegen. Der Kalkstein trifft hier auf malmende Stahlkiefer, was sich in etwa wie ein permanenter Verkehrsunfall anhört. Nur dreimal so laut. Eine Höllenmaschine. Gut, dass unsere Geräte nicht geräuschempfindlich sind. „Hier kann man sehr gut testen, wie unsere Messgeräte auf Vibration reagieren“, brüllt mich Dirk an. Die Vibration habe ich vor lauter Lärm noch gar nicht wahrgenommen. Das ganze Gebäude vibriert leicht. Und als wir den Raum mit dem Rüttler erreichen, sehen wir auch die Quelle. Hier werden die Steine über ein Rüttelsieb ihrer Größe entsprechend sortiert. Überall schwebt wieder der unvermeidliche Staub. Als Mitarbeiter des Kalkwerks über eine Brücke über uns laufen, werden wir vom herabfallenden Kalkstaub eingehüllt. Hustend verlassen wir das Gebäude.

Gewappnet: „Feldtests sind die Basis für den erfolgreichen Vertrieb unserer Produkte. Sie liefern Erfolgsgeschichten und damit belastbare Verkaufsargumente“, erklärt mir Dirk, während ich mühsam versuche, das Pfeifen in meinen Ohren zu ignorieren und den Staub abzuschütteln. Wenn die Geräte diese Tortur überstanden haben, sollten sie gewappnet sein für sämtliche Anforderungen. Die Mitarbeiter in den Anlagen werden es danken, zuverlässige Messtechnik zu haben, die sie nicht dazu zwingt, sich öfter als nötig Staub, Lärm und Hitze auszusetzen.

E+H Story1

Endress + Hauser SE+Co. KG als Arbeitgeber

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