Verborgenes ans Licht bringen

Gelegentlich sieht man auf dem Endress+Hauser Campus einen Mann, der eine große Computer-Brille auf dem Kopf trägt. Er fuchtelt dann wild mit seinen Händen durch die Gegend. Das ist Eric Birgel, Software-Entwickler. Er sieht Dinge, die andere nicht sehen. Sein Ziel: sie für alle sichtbar zu machen.

Das Eichhörnchen hebt seine Pfote zum Gruß, dann läuft es in die Richtung, die ich ihm mit meinem Blick vorgebe. Mit einer Fingergeste bringe ich es dazu, auf den Büroschrank zu springen. Es rennt an der Schrankkante entlang, weicht geschickt anderen Tieren aus und sammelt noch ein paar Münzen ein. Mit einem gewaltigen Satz springt es an der Vitra-Leuchte vorbei vom Schrank und ins Ziel. Gewonnen. Alles nur ein Spiel und virtuell. Ein bisschen komme ich mir vor, wie Alice im Wunderland. In der Anfangsszene des Films folgt Alice einem weißen Kaninchen mit Taschenuhr, das viel zu spät dran ist. In meinem Fall ist das Kaninchen ein Eichhörnchen, dem ich in den Bau folge und das mir eine faszinierende, verborgene Welt zeigt.

Verschiedene Realitäten: Die Brille, sie heißt HoloLens, erzeugt ein virtuelles, dreidimensionales Modell des Raums, in dem sie sich gerade befindet. Anschließend können im realen Raum virtuelle 3D-Objekte platziert und optisch perfekt integriert werden. Das bedeutet, man sieht beim Blick durch die Brille immer noch den realen Raum. Ins Blickfeld ist aber eine zweite, digitale Ebene eingeblendet. Ob man nun ein virtuelles Eichhörnchen durch den Raum rennen lässt oder voll funktionsfähige, virtuelle Radar-Messgeräte platziert, ist der Brille egal. Zusätzlich ist es möglich, die Objekte mit Gesten zu steuern und mit ihnen zu interagieren. Das reale Umfeld bleibt in der Mixed Reality immer sichtbar. Dies sind zwei der Hauptunterschiede zu anderen Formen der computergestützten Wahrnehmung, wie zum Beispiel Augmented Reality (AR) oder Virtual Reality (VR). Ein Teil der Basistechnologie kommt aus der Robotikszene. Die bildverarbeitenden Algorithmen, die die Brille nutzt, wurden ursprünglich geschaffen, um Robotern das „Sehen“ zu ermöglichen, also ihnen dabei zu helfen, sich im Raum zu orientieren. Der andere Teil der Technologien stammt aus dem Bereich der Computerspiele.

Alles Spielerei? Robotik und Computerspiele – was hat das noch mit traditioneller Messtechnik zu tun, fragt man sich. Ist das nicht alles Spielerei? „Die Technologie kann unseren Kunden entscheidenden Mehrwert bringen“, betont Eric. „Die Basisidee am Anfang war, mit dieser Technologie das Innere eines Tanks sichtbar zu machen, quasi durch ihn hindurch zu sehen.“ Daraus wurde letzten Endes das anspruchsvolle Ziel, die Bedienung und Wartung der Messgeräte intuitiv zu gestalten. Die große Stärke der HoloLens-Technologie sei es, so Eric, abstraktes technisches Wissen, Prozesse und Daten visuell begreifbar zu machen.

Angst vor Fehlern: Besteht bei so viel technologischem Neuland nicht die Gefahr, sich zu verrennen oder den Weg nicht zu finden, frage ich Eric. „Wenn du keine Fehler in der Entwicklung machst, bist du nicht innovativ genug. Fehler sind erst ab dem Marktgang ausgeschlossen“, ist seine Antwort. Wichtig sei es, anzufangen, Dinge auszuprobieren und in kleinen Schritten vorwärts zu gehen. Dabei ist es absolut notwendig, sich häufig zu hinterfragen, zu reflektieren und auch Schritte zurück zu gehen. „Das kommt häufiger vor und es ist mühsam“, so Eric. Als Analogie für diesen Entwicklungsstil führt er das Klettern an. „Wenn man am Fuß des Berges steht, sieht man zwar die Spitze, aber man weiß noch nicht, wie man dorthin kommt. Immer wieder tauchen plötzlich Hindernisse auf, die man vorher nicht sehen konnte. Dann klettert man zurück, um einen neuen Weg einzuschlagen.“
Und die Bereitschaft zu lernen, sei ganz entscheidend. „Ich lerne eigentlich jeden Tag Neues.“ Vieles müsse auch nicht von Grund auf neu entwickelt werden, sondern man schaue nach Techniken, die zu unserem Anwendungsgebiet passen. „Die Kreativität der Arbeit besteht in der Auswahl und der intelligenten Kombination von verschiedenen Technologien, so dass sie uns am meisten Nutzen bringen.“ Das Wichtigste für die Entwicklungsarbeit sei jedoch Feedback, objektiv und sachlich. Je mehr Nutzer Rückmeldung geben und je unterschiedlicher sie sind, desto besser. Es bedeutet, gut mit Kritik umzugehen und seine eigene Eitelkeit hinten an zu stellen. Unsachliche Kritik müsse man allerdings nicht akzeptieren. „Wenn jemand von vorneherein behauptet, etwas sei unmöglich, ohne entscheidende Gründe anzuführen, ist das nicht objektiv.“
Da kommt mir wieder Alice im Wunderland in den Sinn. „Manchmal denke ich schon vor dem Frühstück an nicht weniger als sechs unmögliche Dinge“, flüstert die weiße Königin zu Alice im Film „Hinter den Spiegeln“.
Vielleicht sollten wir anfangen, ab und zu mehr Unmögliches zu denken. Denn schon durch die Tatsache, dass wir darüber nach¬denken, dehnen wir die Grenzen des Machbaren ein Stückchen weiter aus.

E+H: Verborgenes ans Licht bringen

Endress + Hauser SE+Co. KG als Arbeitgeber

Weitere Informationen zu Endress + Hauser als Arbeitgeber findest Du auf deren Arbeitgeberseite. Dort stellt sich Endress + Hauser im Detail vor.

Karte des Landkreises Lörrach